Reisebericht
Kreuzfahrt mit der Hammerhead I

 

 

 

Malediven / Ari-Atoll

 

 

 

„It´s a man´s dive“, sagt Achmet breit grinsend als er nach dem Strömungs-Check sein Briefing beginnt. Er meint damit die heftige Strömung am „Emas Thila“, einem Manta Point im Ari-Atoll. Wir verbringen nun eine Woche auf der Hammerhead I und wollen die besten Tauchplätze des Ari-Atolls erkunden. Das Taucherboot wurde 1994 in Dienst genommen und 1999 komplett umgebaut. Auf dem ersten Blick wirkt die Hammerhead I mit 21 Meter Länge und sechs Meter Breite etwas klein.
Das Boot ist aber für zehn Personen in fünf Doppelkabinen großzügig ausgelegt. Jede Kabine ist mit eigener Toilette und einer einfachen Dusche ausgestattet. Eine 3-fach Steckdose nach deutscher Norm liegt zum Laden der UW-Lampen in jeder Kabine. Hervorragend!
Nicht, dass wir die Kabinen oft benutzt hätten. Die meiste Zeit waren wir auf Deck, denn die maledivischen Nächte auf dem Wasser genießt man am besten im Freien. Auch dafür ist auf der Hammerhead gesorgt: Für jeden Passagier liegen Matratzen bereit, um die Nacht auf Deck zu verbringen. Selten habe ich so einen traumhaften Sternenhimmel gesehen. Ich mochte am liebsten gar nicht einschlafen…
Wie die Heinzelmännchen werkelt die Mannschaft die ganze Zeit fast unbemerkt im Hintergrund, während wir unseren Aufenthalt genießen. Die Betten werden in unserer Abwesenheit beim Tauchen gemacht, die Bäder geputzt. Kaum ist man von Tauchgang zurück, wird das Essen oder Kaffee und Kekse serviert. Überhaupt ist man an Bord sehr bemüht, dem Gast den Urlaub so angenehm wie möglich zu machen. Zudem ist das Essen lecker und abwechslungsreich. Der Kompressor ist auf einem separaten Dhoni untergebracht, das uns die ganze Zeit begleitet. Gefüllt wir ausnahmslos in ausreichender Distanz zur Hammerhead, damit die Urlaubsruhe ja nicht gestört wird. Das Dhoni bringt uns dann auch dreimal täglich zu den Tauchstellen und pickt uns wieder auf.

Selbstverständlich auch hier mit dem „Hammerhead“- Full-Service:
Wenn wir zum Tauchen aufbrechen ist die Ausrüstung schon fertig montiert. Die Mannschaft hilft beim Anziehen, beim Ein- und Ausstieg. Ich möchte gar nicht mehr an den heimischen See denken, wenn ich meine Pressluftflasche vom Auto bis zum Ufer selber schleppen muss! Aber die Wassertemperatur von 28°C lassen Deutschland kaum vermissen…
 

 

 

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(c) 2006 Thilo Künneth

 

Für die Sicherheit beim Tauchen und auf dem Schiff ist auch gesorgt: Für den Fall der Fälle befindet sich auf dem Dhoni ein DAN-Sauerstoffkoffer, auf der Hammerhead steht eine zusätzliche 50l-Sauerstoffflasche bereit. Jedes Taucherpaar bekommt zu Anfang an Bord ein Nico-Signal, um sich bei einem echten Notfall oder ungeplantem Abtreiben auf große Distanz erkennen geben zu können. Trotzdem empfehle ich jedem Taucher, wie überall beim Tauchen auf den Malediven, eine persönliche Notfallboje in Signalfarbe mitzunehmen. „No current – no fun!“ ergänzt Achmet sein Briefing noch breiter grinsend und kündigt uns im selben Atemzug Mantas an. Achmet taucht schon sein Leben lang auf den Malediven und kennt jeden Platz wie seine Westentasche. Auf die Frage nach der Anzahl seiner Tauchgänge meint er nur bescheiden 1989 zu zählen aufgehört zu haben. Damals waren es etwa 1800 Tauchgänge!
Wie Achmet versprochen hat (und er hat meistens Recht), macht wir einen herrlichen Tauchgang an einer Manta- Putzerstation und beobachteten fasziniert die eleganten Fische bis uns der Luftvorrat zur Neige ging…

Jeden Abend stimmen wir dann wieder die Route des nächsten Tages mit Achmet ab, der Empfehlungen zu jeden Tauchplatz machen kann. Das Für und Wieder des neuen Kurses wird diskutiert, unsere Wünsche stets berücksichtigt. Da wir in unserer Reisegruppe ein sehr gutes Verhältnis haben, ist die Stimmung dementsprechend gut. Wir konnten uns auch immer schnell einigen. An einem Abend der 7-Tage-Kreuzfahrt wurde ein Aufenthalt an einer unbewohnten Insel eingeplant, wo die Besatzung ein Barbecue vorbereitete. Nachdem es Dunkel wurde, warteten wir gespannt, mit dem Beiboot auf die Insel gebracht zu werden. Überall am Strand wurden schon kleine Feuer und Fackeln entzündet. Das große Lagerfeuer leuchtet hell. Gemütlich auf der Insel wurde uns dann leckerer, fangfrischer Fisch, maledivisch zubereitet, mit Reis und Salat serviert. Gerne denke ich an die sagenhafte Stimmung zurück, mit dem klaren Sternenhimmel wie Millionen glitzernder Juwelen.

Am letzten Tauchtag ankern wir im Rasdhoo-Atoll, bevor es zurück nach Male gehen soll. Wir wollen die Hammerhaie am Rasdhoo- Madivatu sehen und müssen dazu sehr früh aufstehen. Es ist noch dunkel, als wir geweckt werden. Ein schneller Kaffee und schon sitze ich im Dhoni - kaum richtig wach zu sein. Achmet ist wie immer gut gelaunt, lacht und scherzt. Man muss beim ersten Sonnenstrahl im Wasser sein, wenn man Hammerhaie sehen möchte, meint er.
Ich habe noch meine Zweifel! Aber wir fügen uns brav und folgen Achmet ins Wasser. Er entfernt sich mehr und mehr von der Riffkante, bis wir weit im Blauwasser sind. Eine Orientierung ohne Kompass ist unmöglich. Zielstrebig taucht Achmet auf ca. 30 m immer weiter in eine bestimmte Richtung.
Ok, das war´s. Die Luft ist fast verbraucht und Fische haben wir auch nicht gesehen, denke ich. Dann aber kommen sie: Einige Prachtexemplare von Hammerhaien umkreisen uns dicht, gefolgt von ein paar kleineren Riffhaien. Ein beeindruckendes Schauspiel. Dann sind sie mit einem Mal so schnell weg, wie sie gekommen sind. Wir alle sind fasziniert und überschlagen uns an Bord fast vor Begeisterung.
„Hammerheads“ mit der Hammerhead - der Name ist Programm…

Im Großen und Ganzen empfand ich die Kreuzfahrt mit der Hammerhead als sehr angenehm und erfreulich. Man merkt hier einfach, dass die Mannschaft bemüht ist, uns einen schönen Aufenthalt zu bereiten. Man bucht alles inklusive, also Kreuzfahrt, Essen und bis zu drei Tauchgänge täglich. Die Getränke sind im Reisepreis nicht enthalten. Außer Kaffee, Tee und Saft zum Essen muss man die Getränke für den eigenen Bedarf am Ende der Reise an Bord direkt bezahlen.
Gegen Bier, Wein und Cola gegen Entgelt ist nichts einzuwenden, aber das Trinkwasser bezahlen zu müssen, ist nicht nur ein Manko, es birgt meiner Meinung nach auch Gefahren: Gerade im heißen, tropischen Klima der Malediven sollte der Taucher viel Flüssigkeit zu sich nehmen, um einer Dehydration und der damit verbundenen Gefahr einer DCS vorzubeugen. Hier darf niemand zum Sparen am falschen Ende verleitet werden!
Das soll aber das Gesamtbild der Reise nicht trüben. Für die Sicherheit beim Tauchen ist gesorgt. Die Mannschaft ist freundlich, das Boot gut ausgestattet und sauber, der Service gut und das Essen erstklassig.

Tauchen und Entspannen vom Feinsten – was will man mehr?

Thilo Künneth (März 2003)

 

   

 

letzte Aktualisierung: 09.01.2006

 

(c) 2006 Thilo Künneth