Reisebericht
Saba / Niederländische Antillen

 

 

 

 

 

 

 

Die Einwohner Sabas nennen ihre kleine Insel in der Karibik liebevoll „the unspoiled queen“ – unberührte Königin. Wer Natur und Erholung sucht, das Ganze garniert mit erlebnisreichen Tauchgängen an intakter Unterwasserwelt, wird sich sicher auf Anhieb auf der Insel wohlfühlen!

Wenn man mit dem kleinen Flugzeug aus St. Maarten kommt, sieht man Saba wie eine begrünte Bergspitze aus dem Wasser ragen. Mit nur 400m Länge hält der „Juancho E. Yrausquin Airport“ den Rekord der kürzesten, kommerziell genutzten Landebahn. Die Piloten der Fluglinie Winair sind speziell für den Start und Landung hier trainiert. Aber keine Angst: Es gab bisher noch nie einen Unfall.
Der gerade mal 13 Quadratkilometer große erloschene Vulkan ist mit dem 877m hohen Mount Scenery der höchste Berg der Niederlande. Er fällt mit steilen Klippen ins Meer ab und setzt sich unter Wasser fort. Sandstrände und Promenaden sucht man hier vergeblich. Auf Saba wohnen gerade mal 1600 Einwohner verteilt auf die Ortschaften Windwardside, The Bottom, St. John`s und Hell`s Gate. Aber immerhin gibt es eine eigene Universität, eine Schule, einen Kindergarten und eine Klinik. Der Saba Marine Park betreibt sogar seit 1980 eine eigene 4-Personen-Druckkammer. Gut für die tauchenden Gäste!

Es gibt nur eine Straße, die sich vom Flughafen quer über die Insel zieht. Steil windet sich der Weg den Berg hinauf, um wieder in engen Serpentinen zum kleinen Pier auf der anderen Seite zu gelangen.
Nachdem Christoph Columbus die Insel bei seiner zweiten Expedition 1493 links liegen gelassen hat, kamen die ersten Siedler, Abenteurer, Schiffbrüchige und Piraten ab 1627 auf Saba. Nach vielen Besitzwechseln zwischen England, Frankreich, Spanien und Holland, gehört Saba seit 1816 zur niederländischen Krone. Der Großteil der Bevölkerung hat noch Vorfahren aus dieser Zeit und einige können sich damit rühmen von Schotten, Iren und Piraten abzustammen. Lange Zeit schlummerte Saba isoliert vor sich hin, bis nach dem Bau des kleinen Flughafens 1960 auch der Tourismus einsetzte.

Was den Charme Sabas ausmacht ist ihre Bevölkerung: Hier leben ausnahmslos nette, herzliche Menschen. Jeder kennt jeden. Nicht selten hält ein Auto bei einem Fußgänger auf der Straße und bietet eine Mitfahrgelegenheit. „Wanna ride?“, fragt der nette Pickup-Fahrer und nimmt ihm unbekannte deutsche Touristen ein Stück bergauf mit. Ebenso ist Kriminalität auf der Insel unbekannt. Deshalb wird man an den Türen seiner Unterkunft keine Schlüssel finden. Wie gesagt: Jeder kennt jeden!
Die Hotels und Unterkünfte auf Saba kann man an zehn Fingern abzählen. Man findet aber vom feinen Luxushotel bis gemütlichen Guesthouses alles, was man für seinen Urlaub sucht.

 

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(c) 2006 Thilo Künneth

 

Empfehlenswert sind die liebenswerten „El Momo Cottages“, die von Angelika und Olli Hartleib geführt werden. Die beiden haben sich während ihrer Zeit als Tauchlehrer auf Saba in die Insel verliebt und sind dort hängengeblieben. Sie sind seit 1997 stolze Besitzer der Anlage mit den sieben kleinen weiß-roten Holzhäuschen in mitten eines blühenden tropischen Gartens. Eine kleine Brücke führt über den Pool im Eingangsbereich und man hat einen atemberaubenden Blick auf das Meer und die Landschaft. In mitten dieser friedlichen Oase wird man nur von abends pfeifenden Baumfröschen, schwirrenden Kolibris oder Lupo, dem freundlichen Hund der Besitzer, „gestört“. Nicht nur die Hausgäste schwärmen von den Kochkünsten der gebürtigen Italienerin Angelika, die mit der gleichen Begeisterung ein tolles Frühstück aus tropischen Früchten, Eiern und Jogurt zaubert.

Auch für Taucher hat Saba eine Menge zu bieten. Der 1987 eingerichtete Saba National Marine Park hat viel dazu beigetragen, dass der Sporttaucher auch heute noch eine intakte Unterwasserlandschaft vorfindet. Mit ganzjährigen Wassertemperaturen von über 27 Grad und mit Sichtweiten von bis zu 40m kann man hier erlebnisreiche Tauchgänge an der fischreichen Küste durchführen. Nicht selten kreuzen graue Riffhaie oder große Barrakudas den Weg des Tauchers. Seeschildkröten, Grouper, Stechrochen und Langusten gehören hier zum „Taucheralltag“. Und das Beste: Alle Tauchspots können in 5 bis 20 Minuten angefahren werden. Um die Riffe zu schonen wurden rund um die Insel über 30 Liegebojen für die Tauchschiffe angebracht.
Die PADI Tauchbasis „Saba Divers“ von Barbara und Wolfgang Tooten bietet seit fünf Jahren Tauchkurse und –ausflüge im Saba National Marine Park. Die Gäste werden hier in kleinen Gruppen von maximal sechs Tauchern pro Guide an die schönsten Tauchplätze vor Saba geführt. Ein Highlight sind die einzigartigen „Pinnacles“, die von 80m Tiefe bis auf 30m hinaufragen. Die durch vergangene vulkanische Tätigkeit entstandenen Lavanadeln sind mit großen Fächerkorallen und lila Röhrenschwämmen reich bewachsen und bieten einen bizarren Kontrast im „Big Blue“.
Barbaras Lieblingstauchplätze sind der exponiert gelegene „Diamond Rock“ und „Man `o War“. Reizvolle Felsendurchbrüche und kleine Höhlen bieten immer neue Ansichten auch für den anspruchsvollen Taucher.
Saba ist aber mehr als nur ein lohnenswertes Tauchziel. Der Naturliebhaber findet hier auf engsten Raum mehrere Vegetationszonen mit reicher Fauna und Flora. Die oft in eine Wolke versteckte Spitze des Mount Scenery ist umgeben von dichtem Nebelwald, der weiter unten zu einem tropischen Regenwald wird.

Sehr zu empfehlen ist eine geführte Wanderung mit Crocodile James, dem Trail Manager der Saba Conservation Foundation. Er hat eigenhändig alle abwechslungsreichen Trails auf der Insel angelegt und pflegt diese mit großer Begeisterung. „Das ist ein Messer“ lacht Crocodile James und sofort wird klar, woher er seinen Spitznamen bekommen hat. Mit dem eindrucksvollen Messer schlägt er gleich einer Machete den durch einige quer liegende Äste versperrten Weg frei. Er zeigt die dominanten Bergmahagoni- Bäume, Orchideen, Gewürz- und Heilpflanzen. Wenn dann Nebelfinger durch die Landschaft mit den bemoosten Baumfarnen streifen, hat man den Eindruck im Urwald der Urzeit gelandet zu sein. Man wartet geradezu auf einen Dinosaurier. Aber nur ein Leguan passt gut in das Bild. Denn gefährliche Tiere gibt es auf Saba nicht. Die einheimische Schlangenart ist ungiftig und harmlos. Raubtiere hat es nie gegeben. Sogar von Moskitos ist man als Urlauber hier größtenteils sicher. Da Saba keine Teiche, Seen oder Flüsse hat, gibt es nur wenige Brutstätten für Fliegenlarven. Und das gesammelte Regenwasser in den Zisternen wird von der „Mosquito-Control“ regelmäßig überwacht. Als dann ein kurzer Regenschauer einsetzt, schneidet Crocodile James überdimensionale Blätter, von den Einwohnern Elefantenohren genannt und reicht sie grinsend als Regenschirme…

Fazit: Saba ist die ideale Insel für Individualisten, die dem Massentourismus und lärmenden Urlaubsstädten entfliehen wollen. Ein erholsamer Urlaub in einzigartiger Natur mit lohnenswerten Tauchgängen ist hier garantiert – auf Saba, the unspoiled queen.

Thilo Künneth (November 2004)


aus: "Tauchschein - was nun?", Thilo Künneth, Verlag Müller-Rüschlikon, 2005

 

   

 

letzte Aktualisierung: 09.01.2006

 

(c) 2006 Thilo Künneth